Ein Plädoyer für das Komponieren und Improvisieren im Klavierunterricht

Ein Plädoyer für das Komponieren und Improvisieren im Klavierunterricht

Im Klavierunterricht ist die Gefahr gross aufgrund von Zeitmangel oder anderen Prioritäten das Improvisieren wie das Komponieren zu vergessen. Das Selbstvertrauen eines Klavierschülers wird durch die Anleitung zu beidem enorm gestärkt. Komponieren und Improvisieren hängen mit dem eigentliche Spielen von Kompositionen Anderer sehr eng zusammen und inspiriert dieses, wie auch umgekehrt das eigene kreative Schaffen auf der Kenntnis von Kompositionen aufbaut. Eine Spezialisierung auf eine dieser Disziplinen auf dem Klavier scheint zumindest im Anfängerunterricht grundfalsch weil doch die Begabung eines Schülers dann noch gar nicht definiert werden kann. Vielleicht liegt sie auf einem anderen Gebiet als dem Spielen vorgegebener Stücke. Die heutige Spezialisierung der Musiker auf eine der drei Gebiete, besonders das Gebiet des Interpreten der Werke Anderer birgt die Gefahr der Demotivierung, selbst wenn auf dem Klavier das Repertoire grossartig ist und schier unerschöpflich scheint. Das Verständnis von Kompositionen wächst gewaltig wenn man selbst komponiert, und auch die Fähigkeit sich in den Komponisten hineinzudenken enorm wenn man versteht dass oft die Grundlage der Komposition die Improvisation war und ist. Diese drei Gebiete, das Improvisierens, Komponieren und Musizieren verstärken sich gegenseitig und bietet gleichzeitig die Möglichkeit in einem Konzert der Interpret eigener Werke zu sein bzw. aus dem Stehgreif etwas darzubieten. Selbst komponierte Werke wirken besonders authentisch und bieten dem Konzertbesucher ein spezielles Erlebnis, erst recht das Improvisieren, bei dem niemand am Anfang des Vortrags genau weiss wohin die musikalische Reise geht. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein dass dem Klavierschüler im Unterricht das Improvisieren und Komponieren eigener Musik erlaubt ist und er sollte meines Erachtens auch ausdrücklich dazu ermuntert werden. Im Zeichenunterricht lässt man schliesslich den Schüler auch nicht nur Bilder Anderer abzeichnen sondern ermuntert zum Zeichnen oder Malen eigener Ideen und hilft ihm mit gezielten Aufgaben beim Start. Improvisieren ist hierbei wenn er nicht korrigieren kann, Komponieren wenn er z.B. einen Bleistift und Radiergummi benutzt und damit so oft korrigieren kann wie er will. Musik ist gar nicht so anders geartet. Auch bei ihr wird gezeichnet und gemalt, wenn auch nicht mit Strichen und Farben sondern mit Noten und Akkorden.
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